Das Magazin „Der Fliegenfischer“ bot Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre einen eigenen Aufkleber für Fliegenfischerinnen und Fliegenfischer an. Bei dem Sticker ging es um nicht weniger, als Würmer zu retten.
Der Slogan ist unmissverständlich: „Rettet die Würmer! Fischt mit der Fliege!“ Dazu ein gezeichneter, verängstigter Wurm. Dieser ist auf der Flucht vor dem ihm drohenden Wurmhaken.
So sah der gelbe runde Sticker der Zeitschrift „Der Fliegenfischer“ seinerzeit aus. Eigentlich ein harmloser Spaß, wäre da nicht die dazugehörige Werbung gewesen. Und die erhitzte ganz offenbar die Gemüter in der Angelszene.


Gedacht war der Sticker als „Aktion Wieder den tierischen Ernst (beim Angeln)“. So stand es in der ersten Anzeige in Heft 24 (1978). Und ja, das „wieder“ steht tatsächlich so und falsch in der Anzeige (s. a. PDF unten).
Jedenfalls konnten Interessierte die „witzige runde Sache“ für 2 DM1 vorbestellen. Schließlich wurde der Sticker präsentiert. Auch heute noch finde ich den Slogan „Rettet die Würmer! Fischt mit der Fliege!“ lustig. Eigentlich sollte jeder angelnde Mensch darüber schmunzeln können – eigentlich.
Tatsächlich war ein „Wurmangler“ – ich nehme stark an, dass es sich um einen handelte – so angefressen, dass er sich schriftlich äußerte.
Er tat es nicht per E-Mail – gab’s noch nicht – und schon gar nicht in den sozialen Netzwerken – gab’s erst recht noch nicht. Nein, er hat sich offensichtlich zuhause hingesetzt und einen Brief geschrieben!
Daran lässt sich ableiten, wie wichtig es ihm gewesen sein muss. Hier musste die Wut langanhaltend schwelen, damit ausreichend Zeit für das Schreiben, Briefmarkensuchen, das Hausverlassen und Briefkastenfinden blieb.
Der Verfasser und Sender, ein A. Mischler aus München2, empfand den Slogan als Kampfansage gegen alle nicht-fliegenfischenden Personen und fand: „Mehr Toleranz anstatt Arroganz stände uns Anglern jeder Façon besser.“


Ob es nur der Aufkleber-Slogan oder die Bezeichnung der Wurmangler als Spießer war, was Mischlers Puls in die Höhe getrieben hatte, werden wir heute nicht mehr in Erfahrung bringen.
Heutzutage hätte der Sticker sicherlich einen Shitstorm ausgelöst, aber „Der Fliegenfischer“ besitzt zu seinem Glück keine E-Mail-Adresse, da er nicht mehr herausgebracht wird.
Ich werde jedenfalls den Aufkleber in Ehren halten, einfach weil ich die Idee lustig finde. Nicht mehr und nicht weniger …
- Die Deutsche Mark war bis Ende 2001 die offizielle Währung Deutschlands. 1 DM entspricht circa 0,50 Euro. ↩︎
- Der Fliegenfischer, Nr. 37, J/F 1981, S. 7 (Verlag J. Schück) ↩︎
Das gezeigte Produkt wurde mir geschenkt. Der Blogbeitrag wird nicht vom Verlag J. Schück gesponsert. Hierbei handelte es sich um privaten Besitz!


Ja, die Revolution am Wasser! Tolle und inspirierende Zeit…
Gibt es übrigends wieder bei Ebay, wahrscheinlich Restbestände des Verlags.