Gerade Neulingen in der Fliegenfischen-Szene werden sich die teils sehr individuell gehaltenen Beschriftungen auf den Ruten nicht sofort erschließen. Jeder Hersteller kennzeichnet seine Ruten nach seinen Vorstellungen. Das muss nicht zwingend immer selbsterklärend sein.

Die Beschriftung auf den Ruten hat mehrere Funktionen: Benennung des Modells, Angabe zur herstellenden Firma und – eigentlich das Wichtigste – Informationen zur Rutenlänge, -klasse und -teilung. Der letzte Punkt erschließt sich natürlich auf einen Blick und theoretisch reicht hier ein Zählvermögen bis maximal sechs aus.

Die Länge kann ebenfalls relativ schnell abgeschätzt werden, wenn die Rutenlänge mit der eigenen Körpergröße verglichen wird.

Die Angabe der Ruten- bzw. Schnurklasse ist schon schwieriger.

Skizze mit mehreren verschiedenen Angaben, wie sie auf den Rohlingen von Fliegenruten zu finden sind.
Auf den ersten Blick sind die verschiedenen Angaben auf Fliegenruten durch ihre Vielzahl verwirrend, aber man kommt schnell hinter diese „Codes”.
Makroaufnahme der Beschriftung einer Fliegenrute der Firma Hardy.
Irritiert? Nicht abschrecken lassen, denn eigentlich helfen diese Angaben uns, die richtige Ruten-Schnur-Kombination zu finden.

Für welche Schnurklasse sich eine Rute eignet, lässt sich nicht einfach durch In-die-Hand-nehmen, ein wenig Rutenwippen oder Wurfbewegungen genau feststellen. Es gibt eine sehr exakte Methode, um die Klasse zu ermitteln; die erfordert ein wenig mehr Aufwand, Gewichte, Maßband und mathematische Tabellen. Also nichts für den spontanen Einsatz.

Aber eigentlich war es schon immer üblich, die entsprechende Angabe direkt auf den Rutenrohling zu schreiben.

Die einfachste Angabe war immer die Kombination aus dem Rautezeichen (#) und einer Ziffer (1, 2, 3, 4, …). Steht auf einer Rute z. B. „#5“, dann entspricht diese Rute der Schnurklasse 5. Allerdings stimmt das nur theoretisch. Erstens haben sich die Ruten in ihrer Aktion und Kraft weiterentwickelt und zweitens wirft jeder anders.

Mittlerweile liefern einige Firmen Gewichtsangaben bei den Ruten mit. Keine Infos zum Gewicht der Rute, sondern welches Schnurgewicht passend wäre. Denn eigentlich sind die Angaben der Schnurklassen Angaben zum Gewicht einer Schnur!1

Makroaufnahme der Beschriftung einer antiken gespeißten Bambus-Fliegenrute der Firma Hardy.
Die Angabe „#5“ auf dem Rutenrohling gibt die ideale Schnurklasse für dieses Rutenmodell an. In der Theorie, wohlgemerkt.
Makroaufnahme der Beschriftung einer Fliegenrute der Firma Scott.
Mit dieser Beschriftung gibt die Firma sowohl die Rutenlänge (5’8“ = 5 Fuß 8 Zoll = 1,727 m) als auch die Schnurklasse (3LINE = Schnurklasse #3) an.

Was zur Hölle meint aber z. B. Hardy, wenn die auf ihre Rute das Folgende drucken: „SH-39′ 34G SS-42′ 36G MS-52′ 42G LB-60′ 46G“? Die dazugehörige „Entschlüsselung“ lautet:

  • Shooting Head, 39 Fuß (11,89 Meter) lang – 34 Gramm
  • Short Belly Spey Line, 42 Fuß (12,8 Meter) lang – 36 Gramm
  • Mid-Spey Line, 52 Fuß (15,85 Meter) lang – 42 Gramm
  • Long Belly Line, 60 Fuß (18,3 Meter) lang – 46 Gramm

Bei dieser Rute wird Bezug auf die verschiedenen Schnurprofile und die damit verbundenen Wurfstile genommen (was es mit den Schnurprofilen auf sich hat, erkläre ich in einem anderen Beitrag. Kommt noch!).

Jedenfalls helfen diese Angaben bei der Wahl einer Schnur bzw. mehrerer Schnüre. Bei dem oben genannten Beispiel handelt es sich um die angegebene Schnurklasse „8/9“ – also #8 und #9. Ein Schusskopf (Shooting Head) sollte bei diesem Modell daher eine Länge von rund 12 Metern und ein Gewicht von 34 Gramm aufweisen.

Makroaufnahme der Beschriftung einer Sintrix-Fliegenrute der Firma Hardy.
Diese Rute ist 13 Fuß lang und bewältigt sowohl die Schnurklasse 8 als auch die Schnurklasse 9. Das geht, bei Berücksichtigung der Schnurvorgaben.
Makroaufnahme der Beschriftung einer Scott-Fliegenrute der M-Serie.
Hier sind das Gewicht der Rute (2.8oz = 2.8 ounces = 2,8 Unzen = 79,4 Gramm), das Modell (M-Serie), die Länge (88 = 8’8“ = 8,8 Fuß = 2,642 Meter) und die Teilung der Rute (4 Teile) angegeben.

Bei der Schnurklasse werden auch Bezeichnungen wie „line weight“, „lw“ oder auch Ziffer plus „line“ bzw. „weight“, also z. B. 3line bzw. 3weight verwendet. Alle meinen immer dasselbe, nämlich Schnurklasse.

Bei diesen vielen Variationen kann ich es gut verstehen, wenn der Über- und Durchblick verloren gehen. Zum Glück gibt es auf den Webseiten der Firmen und der jeweiligen Rutenmodelle eigentlich immer auch Tabellen, anhand derer die „Codes“ sich ableiten lassen. Und je mehr man solcher Codes gesehen hat, desto schneller lassen sie sich auch herleiten, selbst wenn nicht auf Anhieb zu erkennen ist, was die Zahlen auf der Rute bedeuten, da weder Rautezeichen noch Gewichts- oder Längenkürzel dort stehen.

Zum Abschluss und ergänzend zu den Beispielen, die ich bereits bei den Fotos gegeben habe, noch ein letzter entschlüsselter Code:

Contact II 1093/4

Das Modell heißt „Contact II„. Die römische Zwei (II) deshalb, weil es die zweite Auflage dieses Modells ist.

Die Rute ist mit 10,9 Fuß (3,32 m) recht lang. Dabei ist die Schnurklasse #3 eher „leicht“. Daher eine typische Kombination, wie sie für das sogenannte Europäische Nymphenfischen charakteristisch ist.

Und dieses Modell ist eine vierteilige Rute, kommt also in 4 Teilen.

Skizze mit mehreren verschiedenen Angaben, wie sie auf den Rohlingen von Fliegenruten zu finden sind. Die einzelnen Zahlen werden mit einer Legende erläutert.
Dieser Code lässt sich eigentlich auch mit Logik knacken. Dazu ist zu überlegen, welche Kombinationen überhaupt sinnvoll sind. So ist eine hohe Schnurklasse 8 bei einer kurzen Rute mit einer Länge von 5,4 Fuß (1,77 m) eher unwahrscheinlich.

Die gezeigten Produkte wurden mir weder von den Firmen bereitgestellt noch wird dieser Blogbeitrag von einer der Firmen gesponsert. Hierbei handelt es sich um privaten Besitz!

  1. Die Association of Fishing Tackle Manufacturers (AFTMA), also der Verband der Angelgeräteherstellenden, hat seinerzeit eine Tabelle mit Schnurklassen und -gewichten herausgebracht. Vereinfacht gesagt: Je größer die Schnurklasse, desto schwerer die Schnur. ↩︎
22. April 2025

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